Stadtportal München


München-Stadtportal

Das Oktoberfest im Jahre 1832

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In einer, auf den ersten Blick kahlen Gegend, in geradlinichter Ausdehnung, ohne Thore, Wälle oder Mauern, mit Straßen, die auf ein Fortbauen ins Unendliche angelegt zu seyn scheinen, liegt die alte Hauptstadt des Bayerlandcs, und streckt als Wahrzeichen die dicken Zwillingsthürme zu U. L. F. weit hinaus, so daß der Reisende sie erblickt, wenn am Horizonte noch kein anderes Gebäude der Hauptstadt sichtbar wird.

Die weite Ebene, durch nichts begränzt als den fernen, bläulichten Saum der Alpenkette gegen Süden, nach Norden sich in die langweiligste Unendlichkeit erstreckend, macht einen um so trübern Eindruck, je lieblicher oder malerischer die Gegenden waren, die man eben verlassen hat, um zu ihr zu gelangen. Nähert man sich München von Salzburg, welche Erinnerungen bringt man mit aus dem romantischen Aigen und den zerrissenen Felsenriesen des Watsmann; kommt man vom Rheine, aus Schwaben, von Regensburg, welch lieblichen Höhen, welch freundlichen Flüssen, wanderte man da vorbei; ist es endlich die Schweiz und Tyrol, durch die der Reisende seinen Weg genommen hat, was wäre im Stande die Reize jener Natur aufzuwägen?

Durch weitläuftige Vorstädte, an Palastähnlichen Gebäuden vorüber, die wie vom Zufall in bunter Unordnung hingeworfen zu seyn scheinen, fliegt man vorbei, und man ist bald im Mittelpunkte der Stadt, ohne es zu wissen.

Hier gewinnt nun Alles ein anderes Ansehen. Vor dem Thore sah man einen griechischen Tempel, dessen Marmorfacade sich aus dem Grün duftiger Akazien erhob, einen fensterreichen Palast im byzantinischen Geschmacke, eine Villa im reinsten Style der Antike — hier ist man mit einem Male ins Mittelalter versetzt. Jedoch nicht in eine mittelalterliche Stadt, die überall Spuren der Macht und des Reichthums ihrer frühern Bewohner zur Schau trägt. Nicht sind es die kastellartigen, umthürmten Steinmassen Nürnbergs, nicht die Burgen und Klöster, wie sie manch andere Stadt uns aufbewahrt hat. Die alten Häuser sind nach dem Bedürfnisse modernisirt, so gut als es gehen wollte, und um ihnen jede Spur einer finstern Zeit zu rauben, mit hellen und freundlichen Farben angestrichen worden. Der hieraus entspringende Kontrast fällt am meisten auf und giebt München das fremdartigste Ansehen.

Die Stadt ist volkreich, dies zeigt sich auf den ersten Blick. Man sieht Leute aus allen Ständen vorübergehen, und in jenen Straßen, die zur königlichen Residenz und zum Theater führen, sind auch glänzende Equipagen nichts Seltenes.

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