Stadtportal München


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München in guter alter Zeit

Erstes Kapitel - Von der Stadt Lage, Ursprung und Gestalt

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Der von ihm gewählte Platz war aber für seine Zwecke um so geeigneter, als nahe dabei die stattlichen Dörfer Haidhausen, Sendling und Schwabing lagen. Und in der That trieb die Stadt schon nach kaum fünfzig Jahren einen recht blühenden Handel mit Eisen, Kupfer, Silber, Leder und Wein, namentlich aber mit Salz; denn der Herzog hatte ihr Marktfreiheit verliehen, welche Handelsleute herbeizog. Die Bauersleute der Umgebung aber nahmen in der durch Gräben und Wälle gesicherten Stadt um so lieber ihren Wohnsitz, als sie dadurch von der Leibeigenschaft befreit wurden, falls sie nämlich ihr Grundherr nicht binnen Jahr und Tag zurückfordert. Auch die Freien blieben nicht draußen und so finden wir bald die Familien der Sendlinger und Freimanner, der Mamminger und Schongauer u. A.

Die Freisinger waren schlimme Nachbarn und so stand es, wie schon angedeutet worden, schon Heinrich der Löwe zweckmäßig, seine neue Stadt mit Gräben und Wällen zu umgeben, die an vier Stellen mit Thoren versehen waren. Die aber standen auf der Stelle des heutigen Raththurms (Thalbruckthor), an der gegenwrtigen Polizeidirection (Wilprechts- oder Nudelthurm), am heutigen Hotel Detzer in der Kaufingerstrae (Kaufingerthor, später der schöne Thurm) und an der Ecke des Rindermarkts und der Rosengasse (Blauenten-, später Ruffinithurm). Spter kam noch der als Thor dienende Muggenthaler- (nachmals Larostthurm) am jetzigen „Englischen Hof ” in der Dienergasse dazu. Und rings um die Stadt flossen von der Isar hereingeleitete Kanäle, die heute noch bestehen. Mauern aber scheint München damals noch nicht gehabt zu haben.

Und bald wurden die alten Wälle und Gräben der rasch aufblühenden Stadt zu enge. Noch ehe ein Jahrhundert um war, entstanden die Neuhausergasse, das Thal, die Sendlingergasse, die hintere und vordere Schwabingergasse (Residenz- und Theatinerstraße), und die Prandazzgasse (Prannersgasse), smtlich vor den Thoren der leonischen Stadt gelegen, ganz abgesehen von den Klstern der Augustinern, Franziskanern und Klarissinen, und dem hl. Geistspital, die ebenfalls draussen lagen. All das ward mit neuen Gräben und mit einer festen Mauer umgeben, nachdem Ludwig der Strenge 1255 in Folge der ersten Landestheilung sich München zur Residenzstadt erkoren. Und was er begonnen, das vollendete sein Sohn, der Kaiser Ludwig, und hat sich auf unsere Tage herab erhalten: Wälle und Stadtmauern sind erst kürzlich verschwunden. Ja in manchen stillen Winkel sieht man von ihnen und von den alten Gräben selbst heute noch Ueberreste, so z.B. hinter dem Hotel Leinfelder auf dem Maximiliansplatz.

Wer sich aber unter dem München jenes des folgenden Jahrhunderts eine Stadt in unserm Sinne dächte, der ginge freilich weit fehl.

Da es Jedem überlassen war, zu bauen wohin und wie es ihm beliebte, so geriethen die Gassen krumm genug, und das sie meist auch enge waren, machte sie nicht gerade schner. Huser von Stein, wie das des Brgers Gollier am Peters-Freithof, waren eine Seltenheit, die weitaus größere Mehrzahl bestand aus Holz und Lehm und war mit hölzernen Galerien versehen und mit Stroh eingedeckt, wobei sie zu allen Ueberfluss noch mit Scheunen und Stallungen bunte Reihe machten. Vor den Stallungen lagen mehr oder minder umfangreiche Dngerhaufen und die Pflasterung beschrnkte sich auf einen drei Fu breiten Streifen von Ziegelplatten, daher das rothe Plaster, das die Huser entlang lief durch und durch die sogenannten Kellerhlse noch beschrnkt wurde.

Ohne den großen Brand vom Jahre1327 wär es auch wohl noch länger so geblieben. Als aber der alle Häuser zwischen dem Angerkloster und dem Platzl den alten Hof mit inbegriffen in Schutt gelegt, da verordnete Kaiser Ludwig im Einverständnis mit dem Rath, das die Häuser fortan nur mit Ziegeln gedeckt und womöglich aus Stein sollen erbaut werden. Trotzdem brannte 1418 das Rathhaus, das ganze Thal und die Graggenau zum zweiten Male nieder und zum dritten Malelie der Rath das Rathhaus mit Schindeln decken.. Da werden es die Bürger wohl mit ihren eigenen Häusern auch nicht besser gehalten haben. Und was da übrig blieb, verzehrten die Brände von 1429 und1434.

Kaiser Ludwig war ein vielgereister Mann: er hatte die schönen Städte von Welschlands gesehen und jene am Rhein und es lag ihm am Herzen, sein München zu verschönern und so erließ

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